MALLORCA - Rundreise 2. Teil: SÓLLER, PORT DE SÓLLER und CAP FORMENTOR

Nach den ersten beiden Tagen auf der wunderbaren Insel Mallorca, an denen schon kräftig entdeckt und herumgecruist wurde, ging es am dritten Tag unseres Aufenthaltes noch weiter in das Tramuntanagebirge. Verwunschene Städtchen, in dessen Hintergrund riesige Berge auf einen herabblicken während man inmitten saftig grüner Palmen verweilt, so hört sich eine Zusammenfassung des Tramuntanagebirges an. Alle Infos zu diesem außergewöhnlichen Tag im Folgenden.


Da es im ersten Teil ja sowohl um den ersten als auch um den zweiten Tag unserer Rundfahrt auf Mallorca ging, dreht es sich verwirrenderweise im zweiten Teil nun um den:

3. TAG: SÓLLER, PORT DE SÓLLER und CAP FORMENTOR

Die Route für den dritten Tag sah einigermaßen so aus, wobei unser Ausgangspunkt wieder unsere Homebase Magaluf war.

Nach dem Frühstück hüpften wir in unseren Mietwagen und fuhren wieder in Richtung Tramuntanagebirge. Dies sah dann zeitweilen so aus:

SÓLLER

Und ab ging es nach Sóller. Dieses Städtchen könnte mit zweitem Namen "Authentizität" heißen, denn hier habe ich mich echt gefühlt, als wäre ich im Mallorca des 19. Jahrhunderts angekommen. Natürlich läuft man auch hier Touristen über den Weg, aber die Mehrheit bilden die geschäftigen Einwohner der Stadt, die durch die Kopfsteinpflastergässchen wuseln. 

 

Kaum das Auto geparkt, stolperten wir auch schon über den Hauptplatz von Sóller: die Plaza Constitución. Auch Plaça Constitució auf Katalanisch. Hier gibt es einiges zu bestaunen, von niedlichen Cafés mit Gästen, die draußen an der frischen Luft sitzen und ihren Kaffee genießen (ja, im Jänner!) über die berühmte Holzstraßenbahn (zu der ich später noch mehr schreibe) bis zum markanten Wahrzeichen von Sóller, der Kirche Sant Bartomeu. Die Pfarrkirche prägt mit  ihrer modernistischen Kalksteinfassade den Platz und ebenso das Stadtbild.  

Außerdem fielen uns die unzähligen Orangen sowie Orangenbäume auf, die man einfach nicht übersehen konnte. Ein Zufall war das keineswegs, liegt Sóller doch inmitten des sogenannten Orangentals auf Mallorca, welches auch als Tal des Goldes bekannt ist. Durch die leckeren Früchtchen wurde Sollér im 19. Jahrhundert auch zu einer wohlhabenden Stadt, denn Händler verfrachteten Orangen und auch Zitronen vom nahe gelegenen Hafen in Port de Sollér nach Frankreich. Viele Händler ließen sich auch für einige Zeit in Frankreich nieder, nur um anschließend nach Sollér zurückzukehren und ansehnliche, modernistische Villas zu errichten. Über die Orangen stolperten wir auf Schritt und Tritt und ihr solltet die Stadt auch keineswegs verlassen, ohne nicht wenigstens einmal einen frisch gepressten Orangensaft genossen zu haben:

Eine weitere Besonderheit von Sóller ist die historische Bahn und ihre dazugehörige Strecke. Sie  kommt aus der Hauptstadt Palma und fährt bis nach Sollér zur Plaza Constitución. Stolze 27 Kilometer sind dies insgesamt vom Start- bis zum Endpunkt. Der Spitzname der hölzernen Bahn ist Roter Blitz, offiziell ist es der Tren de Sollér. Von Palma nach Sóller tuckelt die elektrische Schmalspurbahn durch 13 Tunnels und über mehrere Brücken, unter anderem das Viadukt Cinc-Ponts mit fünf Bögen, deren Öffnungen 8 Meter hoch sind. 

 

Den Tren de Sóller darf man aber nicht mit der schnuckeligen Holzstraßenbahn Tranvia de Sóller verwechseln, welche von Sóller nach Port de Sóller fährt. Dieses Vergnügen dauert nur ca. eine halbe Stunde, während die Fahrt von Palma nach Sóller über eine Stunde dauert. Die Tranvia de Sóller geht direkt durch das Orangental hindurch, deswegen wird diese Straßenbahn auch Orangen-Express genannt. Die ältesten Waggons wurden in Palma erbaut, ihre Vorgänger wurden sogar noch von Maultieren gezogen. Die Flotte wird aber auch von etwas jüngeren Exemplaren, welche ursprünglich aus Lissabon sind, verstärkt.

 

die Tranvia de Sóller oder auch Orangen-Express genannt
die Tranvia de Sóller oder auch Orangen-Express genannt

Als wir die erste Holzstraßenbahn in Sóller sichteten, war ganz klar, dass wir eine solche Fahrt auf uns nehmen wollten. Über den Hafenort Port de Sóller hatten wir vorher schon einiges gehört, da stand dem kleinen Ausflug nichts mehr im Wege und ein wenig später und ca. 5 Euro pro Person leichter ging es auch schon los. 

 

 

PORT DE SÒLLER

 

Die Fahrt von Sóller nach Port de Sóller werde ich so schnell nicht mehr vergessen, denn wir fuhren durch das grünste Dickicht des Orangentals, vorbei an kleinen Häusern, welche mit Gärten voller Orangen- und Zitronenbäumen gesäumt waren, sowie von Olivenhainen. 

 

die Landschaft zwischen Sóller und Port de Sóller
die Landschaft zwischen Sóller und Port de Sóller

Nach ca. 30 Minuten kamen wir in Port de Sóller an.  Hier könnt ihr übrigens die aktuellen Abfahrzeiten abchecken. Das erste, was wir sahen, war die große, kreisrunde Bucht, die den Hafen umgibt. Wir tuckerten den Passeig des Traves entlang bis zum Endbahnhof. Dieser sieht echt älter als alt aus, macht aber nichts, stammt er doch noch aus der Gründerzeit, da darf ein Bahnhof ein bisschen alt aussehen. Schnell ausgestiegen und zum Hafen rüberspaziert. 

Früher ankerten hier die französischen Händler, welche für die leckeren Zitrusfrüchte des Orangentals angereist waren. 

 

 

Viele süße Cafés säumen den Hafen und machen ihn zu einer perfekten Location für ein herrliches Mittagessen oder - in unserem Fall - einen gemütlichen Cappuccino. Die Preise sind hier am Hafen ein wenig gehoben, aber das war es allemal wert. Im Anschluss spazierten wir noch gemütlich durch das Dörfchen, denn die Sonne strahlte, als müsse sie jemandem etwas beweisen. Es war sehr warm, ungefähr 16 Grad. Port de Sóller hat nicht nur den Hafen zu bieten, sondern auch kleine, verwinkelte Gässchen und zwei Strände an den jeweiligen Enden der Bucht. Während der Platja d’en Repic 270 Meter lang und für seinen in Gold glänzenden Sand berühmt ist, ist der Platja des Traves näher beim Hafen und somit zugänglicher. An beiden Stränden könnt ihr Sonnenliegen und am Platja des Traves außerdem Tretboote mieten.

 

Es war nun schon später Nachmittag, aber wir hatten uns gestärkt mit vorher erwähntem Cappuccino und mitgebrachten Sandwiches. Nach ein paar Stunden war dann auch alles abgeklappert und wir nahmen eine der letzten Holzstraßenbahnen zurück. 

noch ein letzter Blick zum Hafen, dann geht's zurück nach Sóller
noch ein letzter Blick zum Hafen, dann geht's zurück nach Sóller

CAP FORMENTOR

 

So stand unserem letzten Ziel nichts mehr im Wege: das verwunschene Cap Formentor. Flugs ruckelten wir mit der hölzernen Straßenbahn zurück nach Sóller und fuhren mit dem Auto in die gewünschte Richtung. Auf dem Weg zum Cap Formentor gab es wiedermal reichlich zu bestaunen, wie zum Beispiel direkt an der MA 10 den Bergsee Gorg Blau:

 

Oder auch den Mirador MA10, der zu meinem Betrüben "nur" nach der Landstraße benannt ist und ich keinen offizielleren Namen für ihn gefunden habe, was seinen Ausblick aber nicht minder fantastisch machte:

 

Das Cap Formentor ist der nördlichste Punkt des Tramuntanagebirges und die Berge treffen hier in Form einer einzigartigen Landschaft auf das azurblaue Mittelmeer. Formentor ist die Halbinsel, auf der das Cap liegt, an dessen Anfang das ansehnliche Städtchen Port de Pollença vorzufinden ist. Hier sind wir flugs durchgefahren, da der Sonnenuntergang bevorstand und wir ein klein wenig unter Zeitdruck standen, denn wir wollten den Endpunkt mit seinem Leuchtturm noch mit ein wenig Licht antreffen. Der Weg zum Cap ist unbeschreiblich und wirkt, wie ich oben schon geschrieben habe, irgendwie verwunschen. Vielleicht war es bei uns aber auch der einkehrende Sonnenuntergang, der die Landschaft in ein bezauberndes Licht hüllte:

 

Außerdem passierte am Weg zum Cap Formentor wieder etwas, das wir vom gesamten Tramuntanagebirge schon kannten: Bergziegen, die uns auf der MA10 im Weg standen. Passiert einem vielleicht öfters, wenn man in einem bergigen Gebiet aufwächst, für mich als Wienerin war das aber eher ungewohnt und ich fand es lustig:

Und schließlich, nach einem gefühlt ewigen Wettlauf gegen den Sonnenuntergang, kamen wir zu dem Punkt, wo der nördlichste Teil des Tramuntanagebirges auf das Mittelmeer trifft und alles zusammen von einem kleinen Leuchtturm bewacht wird, das Cap Formentor, oder wie die Einheimischen ihn nennen, den Treffpunkt der Winde:

Ca. 20 Minuten hatten wir Zeit, die Umgebung rund um den Leuchtturm zu erkunden, bevor die Sonne endgültig verschwand und es rasch dunkel wurde. Der Leuchtturm Far de Formentor steht Besuchern leider nicht offen, aber auch das Spazieren rund um den Turm und das Erkunden der steilen Klippen, an deren Felswände das raue Meer peitschte, machte Spaß. Ich hüpfte von einem Ende zum anderen vor lauter Glückseligkeit, dass wir es noch rechtzeitig geschafft hatten und machte tausende von Selfies mit dem Leuchtturm. Leuchttürme sind eines meiner liebsten maritimen Symbole. Dieser Ort ist auf jeden Fall einer der Gründe, warum ich mich so in Mallorca verliebt habe. Weitab von jeglichen Ballermann - Besäufnissen und partywütigen Menschen, machen die tolle Aussicht und die kuriosen Felsformationen, die zweifellos vom starken Wind stammen, diesen Ort einfach zu etwas Besonderem!

 

Im Anschluss fuhren wir nach Hause nach Magaluf und fielen erschöpft ins Bett. Freut euch auf den dritten Teil des Mallorca - Roadtrips, der in naher Zukunft erscheint :-)

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Kommentare: 1
  • #1

    Harald (Montag, 08 Januar 2018 18:16)

    Du schreibst so authentisch, was deine Augen und dein Herz wahrgenommen haben, dass ich dort gewesen zu sein glaube. Deine Art zu schreiben ist umwerfend. Erheiternd, präzise und herzerwärmend. Tolle Beschreibungen.
    Danke schön