Die Geschichte der US VIRGIN ISLANDS und was die Dänen damit zu tun haben!

Die Geschichte der amerikanischen Jungferninseln dürfte den meisten von uns nicht wirklich bekannt sein, was sie aber nicht minder interessant macht. Ich habe mich ein bisschen auf die Suche begeben nach der geschichtsträchtigen Vergangenheit dieses Inselkomplexes und bin tatsächlich fündig geworden. Das Internet, Spaziergänge durch die Hauptstadt von St. Thomas, Charlotte Amalie, das Tratschen mit Einheimischen und Besuche von Museen haben dazu beigetragen, dass ich euch heute ein wenig an Geschichtswissen über dieses einzigartige Plätzchen weitergeben möchte. Viel Spaß beim Lesen über Piraten, Kolumbus, Dänen, Spanier und Franzosen!


HINTERGRUND & ZUSAMMENFASSUNG

Die United States Virgin Islands oder auch amerikanische Jungferninseln - oder auch kurs USVI genannt - befinden sich im karibischen Meer und sind der letzte Teil der kleinen Antillen, bevor es dann im Westen mit Puerto Rico weitergeht, welches bereits zu den großen Antillen gehört. Die USVI bestehen aus drei größeren Inseln, St.Thomas, St.John und St.Croix sowie über 50 kleinere Inselchen. 

 

Wie überall in der Karibik gibt es auch auf den amerik.Jungferninseln den gleichen groben Geschichtsablauf, der wie folgt aussieht: 1.Die Bewohnung durch amerikanische Indianer, auch genannt Amerindians, gefolgt von 2. der Erkundung und Erforschung der Europäer, 3. anschließener Kolonisierung und Ausbeutung und 4. der Versklavung von afrikanischstämmigen Menschen.

WAS VOR DEN EUROPÄERN WAR

Bevor Christoph Kolumbus die USVI entdeckte, bewohnten verschiedenste Völker die Inselgruppe. Dies waren u.a. die Ciboney-Kultur, die Arawaken sowie die die Kalinago. Kalinago waren aber wiederum eine Vermischung von Arawaken und den sogenannten Kariben. Die Kariben waren ein Volk, das vom Festland auf die kleinen Antillen vorgedrungen war. Es ging also wild und gefährlich zu und alles vermischte sich mit allem, was für Wissenschaftler heutzutage manchmal etwas verwirrend ist. Diese Völker lebten in dörflichen Kommunen und bauten unter anderem Getreide, Süßkartoffeln und Maniok an. Sie konnten spinnen und weben, hielten allerdings keine Nutztiere und verfügten auch nicht über Eisen. Sehr wohl bauten sie sich Werkzeuge aus Stein. Zeitmäßig sieht das ganze so aus: Archäologische Funde belegen ein Indianer-Inselleben auf den USVI um 1500 bis 150 v.Chr. Zuletzt und kurz vor der Conquista konnte man dort aber fast nur mehr Kalinago antreffen, da sie kriegerischer als die anderen gewesen waren.

 

Auch ganz lange vor diesen mesoamerikanischen, indigen Kulturen bewohnten diverse Völker das Land. Um ungefähr 345 v. Chr. bewohnten die Karibik Völker, welche man heute als Guanahatabey und 

Saladoidkultur kennt. Archäologische Funde deuten an, dass die Indianer des Guanahatabey-Stammes eine der ersten Siedlungsgruppen in der Karibik waren, die vermutlich als Nomaden in Höhlen nahe der Küste lebten. Guanahatabey wurden aber später von den oben genannten Arawak zurückgedrängt und starben aus. Die Saladoiden betrieben Landwirtschaft, produzierten Keramik und lebten im Gegensatz zu den Guanahatabey in festen Siedlungen.

Kolumbus und seine Entdeckungsfahrten

Am 14.November 1493 geschah es also und unser lieber Kolumbus erreichte auf seiner zweiten Reise in die Karibik die Jungferninseln. Apropos Jungferninseln, auch der schöne Name ist Kolumbus zu verdanken. Zunächst entdeckte er die größte der Inseln, St. Croix. Er nannte sie Santa Cruz. Dort wurden sie aber von den oben erwähnten kriegerischen Kalinago-Kariben angegriffen und segelten sofort weiter gen Norden. 

Weiter nördlich fanden er und seine Truppen anschließend zwei weitere, wunderschöne Inseln und unzählige kleine. In Anlehnung an die Schönheit, die sich ihm bot, nannte Kolumbus den gesamten Inselkomplex Las Once Mil Virgenes, die Insel der 11.000 Jungfrauen. Es gab zu der Zeit nämlich eine Legende über eine schöne Jungfrau, die heilige Ursula, und an diese erinnerte sich der Christoph beim Anblick der Inseln. Auch den zwei großen Inseln im Norden gab er einen spanischen Namen: San Tomas und San Juan. Spanien betrachtete das Archipel in der Folgezeit aber als ziemlich nutzlos und überließ es schutzlos anderen Seefahrern sowie unzähligen Piraten. 

 

Erste europäische Kolonisierung

Nicht nur eine Vielzahl von Piraten, sondern auch viele Eurpäer schipperten immer mal wieder bei den Jungferninseln vorbei. Englische Seefahrer wie Sir Francis Drake, nach dem der berühmte Aussichtspunkt Drake's Seat benannt ist und der Earl of Cumberland besuchten das Archipel genauso wie französische Freibeuter und auch holländische und dänische Handelsschiffe. Schon früh versuchten vor allem die Franzosen und Dänen die indigenen Inselbewohner zum römisch-katholischen und evangelischen Glauben zu zwingen, doch das war unmöglich. Es gibt Überlieferungen, dass die Arawaken lieber Massensuizid begingen, als sich den Europäern und ihrem Glauben anzuschließen.

 

Erste dauerhafte Siedlungen errichteten die Engländer um ca. 1625 auf St. Croix. Die mittlerweile ins Englische umbenannten St. Thomas und St. John blieben weiterhin unbewohnt. Das kann man vor allem dem geringen Wasservorkommen auf diesen zwei Inseln zuschreiben.

 

Danish West Indian Company

Ab 1652 schmiedete das Vereinigte Königreich von Dänemark Pläne, in der Karibik nicht nur hin und wieder ein Handelsschiff vorbeizuschicken, sondern eine Kolonie zu errichten. Zum genaueren Planen gründeten Handelsherren  aus Dänemark im jahr 1665 in Kopenhagen die Dänische Westindien Gesellschaft, die berühmte Danish West Indian Company. Auch die Regierung war begeistert und so schipperte schon ein Jahr später eine ganze Expeditionsflotte in Richtung St. Thomas. Zwei Jahre später wurde das Projekt kurzerhand beendet, nur um 1672 einen zweiten Versuch zu starten.

 

Jorgen Iversen, der zuvor schon 14 Jahre auf St.Kitts in der Karibik gelebt hatte, wurde erster dänischer Inselgouverneur. Das Land auf St.Thomas wurde gerodet, Wege gebaut und Felder angelegt. In Charlotte Amalie, einem schon von Natur aus perfekt gelegenem Hafenort, wurde ein Fort errichtet. Die dänischen Siedler segelten regelmäßig zum nahen St. John, wo sie Bäume fällten, die sie als Baumaterial benötigten. Im Jahre 1680 lebten auf St. Thomas 156 Weiße und 150 Sklaven. Auf 46 Plantagen pflanzten sie Baumwolle, Zuckerrohr und Tabak. Schon 1717 war die Zahl der Plantagen auf 160 geklettert, und St. John war in der Zwischenzeit auch offiziell dänisch geworden. 

 

Das Fort Christian in Charlotte Amalie
Das Fort Christian in Charlotte Amalie

 

Da die Ländereien aber nicht den Bedarf der Bevölkerung deckten, wurde ein Vertrag mit dem französischen König ausgehandelt, in dem es um St. Croix ging. St. Croix war nämlich zu dieser Zeit in französischer Hand, sollte aber nach Zustandekommen des Vertrages in dänischen Besitz übergehen. Gesagt, getan und 1733 wurde der Vertrag unterzeichnet. Ein Jahr später begann die Besiedlung der Insel.

Schlechte Zeiten und Übergabe an die USA

1755 kaufte König Frederik V. von Dänemark alle Aktien der Danish West Indian Company auf. Er tat dies aufgrund von vielen Aufständen und Streits zwischen den Bauern auf den Inseln und der Danish West India Company. Die Jungferninseln wurden somit Kronkolonien.

 

Die Napoleonischen Kriege in Europa führten zu einer dramatischen Verschlechterung der gesamten Lage in der Kronkolonie. Durch verschiedenste Kampfhandlungen zerbrach das Königreich Dänemark und Norwegen in zwei Teile, der Verkehr zu den Kolonien kam zum Erliegen. Außerdem war das Ende der Skalverei erreicht und Europa hatte angefangen, selbst Zuckerrohr anzubauen. Dies schmälerte natürlich die Gewinne der karibischen Plantagen.

 

Ab 1865 machten sich die Dänen Gedanken darüber, die Inseln zu verkaufen. In einer Volksabstimmung bekannten sich die Inselbewohner für den Verkauf an Amerika. Es folgten aber ein paar Streitereien zwischen den USA und Dänemark. Mal wollten die Amis nicht, mal die Dänen nicht. Dazwischen hatte man mit dem ersten Weltkrieg andere Dinge zu tun. Schließlich gingen am 31.März 1917 die dänischen Jungferninseln für 25 Millionen US Dollar in den Besitz der vereinigten Staaten von Amerika über. 1927 erhielten die Inselbewohner amerikanische Staatsbürgerschaft.

 

Politischer Status der USVI

Die amerikanischen Jungferninseln sind etwas, das man Unincorporated Territory nennt. Es ist ein Außengebiet der USA, seit 1931 unter der Aufsicht des US-Innenministeriums. Die USA werden durch einen Gouverneur vertreten.

 

Obwohl die Inselbewohner der USVI die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen, dürfen sie nicht an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen. Seit 1972 schicken sie einen eigenen Delegierten in den US Congress, der aber bis dato kein Stimmrecht besitzt.


Das war's. Ganz schön interessant, gell? Die Geschichte der ganzen Karibik ist unglaublich interessant, ihr solltet euch einmal ein paar Minuten damit beschäftigen und könnt euch selbst davon überzeugen. Überzeugen könnt ihr euch auch von den schönsten Aussichtspunkten auf St. Thomas, die ich euch hier beschrieben habe. Bis zum nächsten Mal.

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Kommentare: 2
  • #1

    Harald (Montag, 30 April 2018 09:46)

    Wow, unglaublich spannend und sehr informativ. Toll recherchiert und in eindrucksvolle Worte gefasst.

  • #2

    Hanne (Montag, 30 April 2018 21:43)

    mehr Infos zu den Piraten, bitte ;-)