Tagestrip von Miami: Mit dem Airboat durch den EVERGLADES NATIONAL PARK!

Ich kann mich noch erinnern, als wir im Gymnasium in einem unserer ersten Englischbücher ein Kapitel über die Everglades hatten, da muss ich ungefähr 11 Jahre alt gewesen sein. Schon damals dachte ich mir: „Wow, da möchte ich unbedingt einmal hin!“ Und schwupps, waren 15 Jahre vergangen und ich endlich bei den Alligatoren im Everglades National Park. Was wir dort so erlebt haben, wie sich eine Fahrt mit dem Airboat anfühlt und ob sich ein Besuch auszahlt, lest ihr im folgenden Bericht.


Obwohl irgendwie Touristenkitsch, konnten wir trotzdem nicht auf eine Tour durch die typischen Mangrovenwälder verzichten. Und schließlich sieht man so den Bundesstaat Florida von seiner naturbelassensten und wildesten Seite, fernab vom Trubel Miamis.

 

Da wir keinen Mietwagen hatten, buchten wir eine geführte Tour zu den Everglades. Um 11 Uhr wurden wir von José, einem sogenannten Cuban American, vom Hostel abgeholt. Cuban Americans sind Menschen kubanischen Vorfahren aber mit Pass der USA, welche in den USA aufgewachsen sind und oft noch nicht einmal in Kuba waren. José erzählte am Weg zu den Everglades schon einiges über den Nationalpark. 

Die 607.000 ha großen Everglades sind der zehntgrößte Nationalpark der Vereinigten Staaten und nehmen einen großen Teil von Floridas sumpfigen und subtropischen Süden ein. Sie spannen sich vom Lake Okeechobee auf 160 Kilometern bis zur Südspitze Floridas und sind übrigens als Nationalpark geschützt. Die einzigartige Landschaft des Nationalparks ermöglicht nicht nur den berühmten Alligatoren einen Lebensraum, sondern auch über 50 Meeres- und Landsäugetierarten, über 50 Reptilienarten und mehr als einem Dutzend Amphibienarten. Außerdem könnt ihr in den Everglades auf über 300 Vogel- und über 500 Fischarten treffen. So eine Artenvielfalt ist in Nordamerika einzigartig, lernen wir von José.

 

Ungefähr eine Stunde ging die Fahrt, voller interessanter Fakten rund um die Everglades. Falls ihr selbst mit dem Mietwagen hinfahren möchtet, erreicht ihr die Everglades von Miami aus auf dem Tamiami Trail (U.S. Highway 41) in westlicher Richtung. Sobald ihr die äußeren Vororte Miamis hinter euch gelassen habt (welche gar nicht mehr so toll sondern eher ärmlich aussehen, ehrlich gesagt!) dehnen sich rechts und links des Highways die weitgehend unerschlossenen Feuchtgebiete aus.

 

Soweit ich verstanden habe, gibt es im Park an verschiedenen Arealen verschiedene Anbieter. José fuhr uns zum Everglades Holiday Park, einem Anbieter von Airboat-Touren. Airboats sind von Propellern betriebene Boote, um sich in Sümpfen und flachen Gewässern nur durch Gleiten fortzubewegen. Der Propeller ist hinten am Boot, aber eben nicht unter Wasser, sondern über Wasser befestigt, sodass er sich nicht mit der Pflanzenwelt in den Sümpfen verheddert. 

Nach ein bisschen Wartezeit ging es los und wir durften zum für uns vorgesehenen Airboat. Davor wurden wir von Jake, einem richtig typischen Ami, begrüßt: „Hey guys, what’s up? How are you doin‘? I am Jake, your professional airboat captain for today. I am sure we will have a looooot of fun!” Wir freuten uns, so einen coolen Guide abbekommen zu haben. Und dann ging es auch schon mit dem Airboat zum ersten Speed Trail. Insgesamt 3 Speed Trails beinhaltet die einstündige Tour. Während dieser ca. 30 Sekunden anhaltenden Zeit wird das Airboat so richtig schnell, und wir slideten sogar ein wenig über den sogenannten „River of grass“. Der Fluss aus Gras, so nannten die Ureinwohner Amerikas das Gebiet der Everglades. 

Jake wurde nach dem ersten Speed Trail langsamer – und zack, entdeckten wir auch schon unseren ersten Alligator. Jake erklärte uns, dass es zwei Arten von Alligatoren gibt und wir hier in den Everglades immer den sogenannten American Alligator bestaunen können. Wow, wir kommen dem Tier echt nah und ich habe sogar ein wenig Angst, als sein großes Maul in meiner Nähe ist. Uns wird aber erklärt, dass Alligatoren seltener als selten uns Menschen angreifen – einfach zu viel Kraftaufwand! Alligatoren sind anscheinend eher träge Viecher 😉

Mit dem Airboat unterwegs zu sein ist ein Heidenspaß, mal ist es schneller, mal langsamer, aber es gibt immer etwas Neues zu bestaunen. Außerdem ist man supernah am Wasser dran. Neben „Spaß haben“ ist aber laut Jake eine andere Regel: „Unter keinen Umständen die Hand ins Wasser!“.

 

Gegen Ende der Tour stoppte das Airboat abrupt und Jake rief auf einmal auf Englisch: „Ach Mann, ich hab den Angestellten doch gesagt, dass sie das Boot volltanken sollen, diese Idioten. Nun haben wir nicht mehr genug Benzin, um zum Anfang zurückzukehren und sind hier gestrandet. Was sollen wir nur tun?“ Die Erwachsenen schmunzeln, doch die Kinder kaufen es ihm ab und ihre Kinnladen klappen hinunter. Doch nach einigen Schrecksekunden deckte Jake, der Scherzkeks, den Joke auf und meint, er wäre wegen etwas anderem stehen geblieben: Um uns eine bestimmte Pflanze zu zeigen. Er fasst ins Wasser und holt ein sogenanntes sawgrass hinaus. In der Nähe des Stieles befindet sich ein Loch. Jake sagt, so ein Loch ist niemals nur zufällig auf den Stielen der Sawgrasses zu finden, sondern meistens gibt es dazu eine kleine Überraschung im Innenleben des Stieles. Zack, holt er ein Buschmesser aus seiner Tasche und schlitzt das Gras vom oberen Anfang längs den Stiel hinunten auf, ganz langsam natürlich. Und was befindet sich einige Zentimeter unter dem nun aufgeschlitzten Loch? Natürlich ein kleines Würmchen. Jake zeigt uns außerdem noch einige Survivaltipps, zB wie man aus dem Inneren dieses Grasstieles ein Seil machen kann etc. 

Die gesamte Tour ist wirklich lehrreich und macht Spaß. Einen Ausflug in den Everglades Nationalpark kann ich jedem empfehlen. 😊

 

Ein paar Tipps für euren Everglades-Besuch

 

Camping, Hotels, Essen nähe der Everglades:

Der Longpine Key-Campingplatz befindet sich ungefähr 10 km westlich des Eingangs des Everglades Nationalparks, außerdem gibt es noch den Campingplatz im nahe gelegenen Örtchen Flamingo. Flamingo ist übrigens für viele Touristen, welche nicht von Miami kommen, der Ausgangspunkt für den Everglades Nationalpark. In Flamingo könnt ihr ein einfaches Motel, ein Restaurant sowie einen kleinen Lebensmittelladen vorfinden, welche ganzjährig geöffnet haben.

 

Finde hier eine Liste an möglichen Unterkünften im nahen Homestead*

 

Öffnungszeiten:

Der Everglades Nationalpark ist das ganze Jahr über geöffnet.

 

Infos rund um den Nationalpark:

Im Besucherzentrum beim Osteingang werden in regelmäßigen Abständen Filme und Lichtbilder über den Everglades Nationalpark gezeigt. In Royal Palm und Flamingo befinden sich weitere, kleinere Besucherzentren. In der Nordostecke des Everglades Nationalparks, bei Everglades City, erteilen Ranger der Gulf Coast-Rangerstation Auskünfte.

 

Everglades National Park

40001 State Road 9336

Homestead, Florida 33034-6733

USA 

Infos rund um Everglades Holiday Park Airboat Tours:

 

Anreise:

Vom Flughafen Miami könnt ihr euch bequem Mietautos holen, und euch selbst im Anschluss zum Park kutschieren. Reguläre Busverbindungen zum Everglades Nationalpark bestehen leider nicht. Verschiedene Busunternehmen und Reiseveranstalter aus Miami offerieren jedoch regelmäßig Busausflüge und Rundfahrten in den Everglades Nationalpark, hierzu einfach Onkel Google fragen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Harald (Dienstag, 03 April 2018 19:27)

    Irgendwie merk ich deinem Bericht auch an, wie beeindruckt du von diesem Ausflug in die Everglades warst. Aber wie immer sehr informativ, persönlich und emotional. Ich konnte so richtig die Spannung spüren, die in diesem leicht abenteuerlichen Ausflug steckt.
    Wieder einmal ausgesprochen spannend geschrieben. Gratuliere